____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Putinismus
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Als Putinismus (russisch ĐŃŃĐžĐœĐžĐ·ĐŒ) bezeichnen verschiedene Autoren das politische System und die ideologische Untermauerung der Herrschaft von PrĂ€sident Wladimir Putin in Russland seit dem Jahr 2000. Alternative Bezeichnungen sind Putin-Regime, System Putin oder Moskauer Regime.
Der Putinismus war seit Beginn seines Auftretens bedeutenden innen-, auĂen- und wirtschaftspolitischen Entwicklungen unterworfen. Der anfĂ€ngliche klassische Putinismus (2000â2008) deckt die ersten zwei Amtszeiten Putins als PrĂ€sident ab und wies noch bestimmte Elemente liberaler Politik auf. Darauf folgte die ideologisch undefinierte Tandem-Phase (2008â2012), also die Doppelherrschaft Putins mit Dmitri Medwedew. Die anschlieĂende und bis heute fortdauernde Phase wird als entwickelter Putinismus bezeichnet, die von autoritĂ€rem Konservatismus, Militarismus und imperialem Nationalismus geprĂ€gt ist.
SpĂ€testens seit dem russischen Ăberfall auf die Ukraine 2022 wird der Putinismus von einigen Historikern und Politologen auch als faschistisch bezeichnet. Stimmen aus der vergleichenden Faschismusforschung lehnen eine derartige EinschĂ€tzung bisher ab, da das Putin-Regime zwar ultranationalistisch, im Gegensatz zum Faschismus jedoch reaktionĂ€r und nicht revolutionĂ€r ausgerichtet sei und vergleichen Putins Russland stattdessen mit imperialistischen Autokratien wie dem Russischen Kaiserreich unter Nikolaus I. oder dem Japanischen Kaiserreich wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs. Im Kontext des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine seit 2022 prĂ€gten russische Dissidenten das Kofferwort Raschismus.
Contents
âą Phasen
âą Merkmale
âą Innenpolitik
âą AuĂenpolitik
âą Russki Mir
âą Surkow
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Aufkommen des Begriffs
Als der russische PrĂ€sident Boris Jelzin am 31. Dezember 1999 zurĂŒcktrat, ĂŒbernahm der damalige MinisterprĂ€sident Putin, den Jelzin zu seinem Nachfolger bestimmt hatte, dessen AmtsgeschĂ€fte zunĂ€chst kommissarisch. Der Begriff Putinismus wurde kurz danach geprĂ€gt. Als erstercite-ref-1[1] verwendete ihn der russische Mathematiker und Publizist Andrei Piontkowski, der spĂ€ter mehrere BĂŒcher ĂŒber Putin geschrieben hat. Am 11. Januar 2000 erschien in der Sowetskaja Rossija ein Artikel von Piontkowski, der am selben Tag auch auf der Website der Partei Jabloko zu lesen war. In der Ăberschrift dieses Artikels definierte Piontkowski den von ihm so genannten Putinismus als âdas höchste und letzte Stadium des RĂ€uber-Kapitalismus in Russlandâ. Er erklĂ€rte, dies sei das Stadium, in dem das BĂŒrgertum âdie Flagge der demokratischen Freiheiten ĂŒber Bord wirftâ. Weitere Merkmale des Putinismus seien die âKonsolidierungâ der Nation durch Hass gegen ethnische Minderheiten, die BekĂ€mpfung der Redefreiheit, âGehirnwĂ€scheâ, die Selbstisolation von der AuĂenwelt und weiterer wirtschaftlicher Niedergang. Im selben Artikel verglich Piontkowski Jelzin mit Hindenburg, der Hitler zur Machtergreifung verholfen hatte.cite-ref-2[2]
Der französische Philosoph Michel Eltchaninoff bezeichnet die ideologische Untermauerung des russischen Putin-Regimes in seinem 2015 erschienenen Buch Dans la tĂȘte de Putin (2016 und 2022 auf Deutsch unter dem Titel In Putins Kopf) ebenfalls als Putinismus.cite-ref-3[3]
Phasen
Der Osteuropaexperte Richard Sakwa unterschied 2013 im als Putinismus bezeichneten politischen System Russlands vier Phasen, wobei er fĂŒr die ersten beiden Phasen zwischen den Jahren 2000 und 2008 die Bezeichnung klassischer Putinismus verwendet. In dieser Zeit sei die historische Entwicklung des Regimes noch offen gewesen. Als dritte Phase des Putinismus nennt Sakwa die âTandem-Regierungâ, also die Doppelherrschaft wĂ€hrend der PrĂ€sidentschaft Dmitri Medwedews mit Putin als MinisterprĂ€sidenten von 2008 bis 2012. FĂŒr die bisher letzte Phase seit 2012 verwendet Sakwa den Begriff âentwickelter Putinismusâ. Sakwa betont die KontinuitĂ€t der Entwicklung, die schon mit Boris Jelzin 1991 begann und von Anfang an bei der Steuerung der politischen Prozesse bestimmte autoritĂ€re Elemente aufwies. âBeide (Jelzin und Putin) haben versucht, die konkurrierenden AnsprĂŒche zu steuern, nĂ€mlich den Drang nach politischer Partizipation und sozialer Sicherung einerseits, und die Fragmentierung des postsowjetischen Eurasiens sowie die neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen auf internationaler Ebene andererseits.â Wahlen stellten seit 1991 âeinen sekundĂ€ren Vorgang zur Legitimierung des Status quo darâ.cite-ref-4[4]
In seiner entwickelten Form wies der Putinismus nach Sakwa âneue Methoden des politischen Managementsâ auf: die Strategie selektiven Zwangs gegen FĂŒhrungspersönlichkeiten der Opposition wie Alexei Nawalny, die Strategie der BeschrĂ€nkung etwa des Demonstrationsrechts und des Aktienbesitzes im Ausland. In der Strategie der Kooptation sei die Allrussische Volksfront wichtigster âKooptierungsmechanismusâ. In der Strategie des Ăberzeugens seien ideologische Initiativen unternommen worden, âunter anderem durch eine betont antiwestliche Haltung, eine engere Verbindung zur orthodoxen Kirche und das Eintreten fĂŒr konservative kulturelle und Familienwerteâ. Sakwa diagnostiziert, diese Phase sei von Stagnation, UnterdrĂŒckung des Pluralismus und Korruption gekennzeichnet. Alternative sei ein âPutinismus ohne Putinâ als fĂŒnfte Phase durch anhaltenden âDruck demokratischer Bewegungen, begleitet von einer Wiederbelebung des Verfassungsstaatesâ oder âRevolution und Kollapsâ.cite-ref-5[5] Zu Beginn glaubten Liberale an Fortschritt durch Putin. Ăber die Jahre wurden die konservativen Bevölkerungsschichten im peri-urbanen und lĂ€ndlichen Raum zu seinen UnterstĂŒtzern.cite-ref-baines-et-al-2019-6-0[6]
Auch Michel Eltchaninoff (2022) macht im Putinismus verschiedene Phasen aus. So hĂ€tten Putins Ansichten ab 2013 eine âkonservative Wendeâ genommen, und seit 2014 sei Putin âzum Imperialistenâ geworden.cite-ref-7[7]
Merkmale
Charakterisierungen
Samuel P. Huntington sah 2002 Putins VerhĂ€ltnis zum Westen als wesentliches Merkmal des Putinismus. WĂ€hrend Jelzin sich mit dem Westen ideologisch und kulturell identifiziert habe, sei Putin bloĂ ein Pragmatiker: âWenn es ihm passt, kooperiert er mit den USA, mit dem Westenâ; er könne aber auch genau das Gegenteil tun.cite-ref-8[8]
Der deutsche Politikwissenschaftler Manfred Sapper beschrieb in einem RĂŒckblick auf das Jahr 2012 den Putinismus anhand von vier Unterschieden zur realsozialistischen Diktatur in der Sowjetunion: An die Stelle der KPdSU sei âeine Vielzahl von Klans, Seilschaften und Netzwerkenâ getreten, âdie ihre materiellen Interessen befriedigen, indem sie ökonomisch relevante Ressourcen wie die exportfĂ€higen Rohstoffbranchen kontrollierenâ und sich aus den Erlösen bereichern. Es gebe keine messianische Ideologie mehr. Zwar werde keine âMassengewaltâ angewendet, aber WillkĂŒr und Repression seien an der Tagesordnung. Und: Die Grenzen seien offen â man könne das âSystem Putinâ verlassen.cite-ref-9[9]
FĂŒr Markus Wehner beruht der Machterhalt der âmodernen Diktaturâ in Russland vor allem auf Propaganda (und nicht wie frĂŒher auf Gewalt).cite-ref-10[10] Die Propaganda der Russischen Föderation setzt auf Nationalismus und die traditionellen Symbole MilitĂ€r und orthodoxes Christentum und brandmarkt die urbanen, jungen Liberalen als fĂŒnfte Kolonne des feindlichen Auslands.cite-ref-baines-et-al-2019-6-1[6]
Marcel H. Van Herpen, Direktor der Cicero Foundationcite-ref-11[11], beschrieb im Jahr 2013 Ăbereinstimmungen des Putinismus mit Merkmalen des Bonapartismus, des italienischen Faschismus und des Berlusconismus.cite-ref-12[12] Mit dem Regierungssystem Napoleons III. sah er insofern Gemeinsamkeiten, als auch der Bonapartismus durch einen allgegenwĂ€rtigen Geheimdienst, Zensur der Medien, ein formelles Mehrparteiensystem mit schwacher Stellung des Parlaments und ein Streben nach VergröĂerung des Territoriums sowie militĂ€rische Abenteuer gekennzeichnet gewesen sei. Im Putinismus sei jedoch die physische Repression durch Steuerung der öffentlichen Meinung ĂŒber die Medien und Wahlmanipulationen ersetzt worden.cite-ref-13[13]
Wjatscheslaw Wolodin von der Partei Einiges Russland sagte im Oktober 2014 zuspitzend: âWenn es Putin gibt, dann gibt es Russland. Wenn es Putin nicht gibt, gibt es auch Russland nicht.âcite-ref-14[14]
Alan Posener von der Welt schrieb im Zusammenhang mit der Diskriminierung von Minderheiten in Russland: âDer Putinismus lebt davon, auĂen- und innenpolitische Feinde zu schaffen und sie propagandawirksam niederzuringen.âcite-ref-15[15]
Walter Laqueur prognostizierte schon frĂŒh nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, dass in Russland keine (westliche) Demokratie entstehen wĂŒrde.cite-ref-sendung-16-0[16] Er wunderte sich nur ĂŒber die Geschwindigkeit des Wandels des politischen Systems und seiner Ideologie, âvom Kommunismus zum Staatskapitalismus, vom Internationalismus zum Nationalismus und dieser getragen von einem bedeutenden Einfluss der orthodoxen Kircheâ. Russland sei 2015 wieder eine Diktatur, âautoritĂ€r, aber nicht faschistischâ.cite-ref-17[17] Allerdings verfĂŒge dieses autoritĂ€re System mit seiner Ideologie ĂŒber ein Sendungsbewusstsein, âeine BemĂŒhung, Russlands Sendung weiter zu fĂŒhrenâ, wobei diese Sendung fĂŒr Laqueur âabgesehen vom weitverbreiteten Glauben, dass der Westen dekadent seiâ noch schwammig blieb. Russland mĂŒsse aber gemÀà Ăberzeugung seiner FĂŒhrung eine âmoralische und kulturelle FĂŒhrungsrolleâ spielen, da der Westen seine Werte aufgegeben habe. Laqueur postulierte eine Ăberzeugung des Kremls, wonach die Daseinsberechtigung Russlands direkt von dieser FĂŒhrungsrolle abhinge.cite-ref-sendung-16-1[16]
Anne Applebaum diagnostizierte 2013, dass liberale und kapitalistische Elemente wie die Existenz von Börse und Banken unter Putin immer nur scheinbar und oberflĂ€chlich seien, an einem Rechtsstaat und echtem Unternehmertum habe Putin kein Interesse. Russland Ă€hnele keiner Marktökonomie, sondern sei ein feudaler Rohstoffstaat analog Saudi-Arabien. Die feudale MachtausĂŒbung werde nicht durch westliche Sicherheitspolitik oder gar militĂ€rische Angriffe bedroht, sondern durch die Rhetorik westlicher Demokratie, die Autokratien weltweit durch ihre AttraktivitĂ€t fĂŒr die Bevölkerungen bedrohe. Putins Auffassungen Ă€hnelten denen des langjĂ€hrigen KGB-Chefs Juri Andropow, der als technokratischer Modernisierer dennoch gerade in demokratischen Diskussionen eine herrschaftsgefĂ€hrdende Gefahr insbesondere fĂŒr die Tschekisten des KGB gesehen hatte. Dass demokratische Dissidenten vom Westen gesteuert wĂŒrden, sei durchaus die tatsĂ€chliche Meinung Putins. Er habe im Gegenzug weltweiten RĂŒckhalt in autoritĂ€ren Systemen aufgebaut, deren Existenz er sichern wolle und denen sein Modell attraktiv erscheine, er versuche ferner erfolgreich, die fĂŒr sein Russland charakteristische Korruption zwecks Einflussgewinnung auf den Westen auszudehnen. Propagandistische Mobilisierung gegen den Westen diene der Immunisierung der eigenen Bevölkerung gegen demokratische Bestrebungen.cite-ref-18[18]
Der exilierte Oligarch Michail Chodorkowski, einer der gröĂten Kritiker Putins, bezeichnete im MĂ€rz 2017 das unter Putin etablierte Herrschaftssystem als âfeudalistisch-kriminellâ.cite-ref-19[19] Im Buch Der Weg in die Unfreiheit (2018) bezeichnet Timothy Snyder eine groĂrussisch-eurasische Ideologie als Kern des heutigen Putinismus, den er zugleich als âSchizofaschismusâ charakterisiert.cite-ref-20[20]
Der ehemalige PrĂ€sidentenberater Wladislaw Leonidowitsch Inosemzew erkannte schon 2018 kein Ziel in Putins Politik, auĂer dass er in einem Land, das nicht einmal den Schein einer Demokratie wahre, Diktator werden wolle.cite-ref-21[21] Russland sei 2021 âkeine moderne europĂ€ische Gesellschaft: Es ist ein ehemaliges Imperium, das nie ein Nationalstaat warâ. Es sei auch keine demokratische Republik, sondern ein Handelsstaat, der den Herrschern gehöre, Putin habe mit loyalen Silowiki Russland im Handstreich ĂŒbernommen. Putin sei auch âkein Politiker oder gar MilitĂ€r [], sondern ein Spion, der weniger an Institutionen und Hierarchien, sondern mehr an LoyalitĂ€t und Netzwerkeâ glaube: Aufgrund seiner eigenen Handhabe glaube Putin, âdass die Welt von Menschen regiert wird und nicht von Institutionenâ.cite-ref-22[22] Im FrĂŒhjahr 2022 erklĂ€rte Inosemzew, Russland erfĂŒlle nun âmustergĂŒltig den Katalog dessen, was Faschismus ausmachtâ.cite-ref-23[23] Stefan Meister nannte das Regime um Putin âzunehmend faschistischâ und ging davon aus, dass Angst die russische Gesellschaft vermehrt prĂ€gen werde.cite-ref-24[24]
Auch der polnische Schriftsteller Szczepan Twardoch bezeichnete Russland 2022 als eine âfaschistische Diktatur ... mit allen Attributen einer solchen: staatlichem Nationalismus, fehlender Opposition, militĂ€rischer Indoktrinierung der Jugend schon im frĂŒhesten Alter, Arbeitslagern und Mord an politischen Gegnernâ.cite-ref-25[25] Der russische Schriftsteller Dmitri Lwowitsch Bykow hatte Ende 2019 erklĂ€rt: â...dass die Gesellschaft noch nicht in den rasendsten Faschismus abgeglitten ist, erklĂ€rt sich nur aus ihrer gesellschaftlichen Faulheit.âcite-ref-26[26]
Der Osteuropahistoriker Karl Schlögel sieht den Putinismus als âeine Gewaltordnung nach dem Ende des Kontinentalimperiums und eines staatssozialistischen Systemsâ. Korruption und Kleptokratie seien im System angelegt. Der PrĂ€sident stehe an der Spitze eines Polizeistaats mit pseudodemokratischen Strukturen. Schlögel spricht von einer sowjetisch-stalinistischen DNA der heutigen russischen Gewaltherrschaft â mit gezielter Tötung von Oppositionellen, wiederum alltĂ€glicher Gewalt in GefĂ€ngnissen und Lagern, Verschwörungsmythen und willkĂŒrlicher Mobilisierung fĂŒr den Krieg. Schlögel betont auch die kulturelle Dimension und Hegemonie des Putinismus: âdie Mixtur aus Putins orthodoxer Pseudo-Frömmigkeit, die Verleihung von Orden fĂŒr die Verantwortlichen von Massakern wie in Butscha, den Terror, die allabendlichen Hetzsendungen im russischen Fernsehen mit einem unvorstellbaren Vokabular und schamlosen LĂŒgen.âcite-ref-27[27]
Innenpolitik
Das Konzept manifestierte sich durch einen Gesellschaftsvertrag, bei welchem mittels gelenkter Demokratie vor allem die StabilitĂ€t von Staat und Gesellschaft erreicht werden sollte, dies bei einem Vorrang der öffentlichen Ordnung vor individuellen Freiheiten und damit einher gehenden EinschrĂ€nkungen bei der Verwirklichung der Menschenrechte in Russland. Stillschweigend nahmen die Russen die Finanzierung von Sozial- und RĂŒstungsausgaben durch die verstaatlichte Rohstoffausbeutung hin.cite-ref-28[28] Respektlosigkeit gegenĂŒber Behörden wurde auch im Internet strafbar.cite-ref-29[29]
Der Entwurf eines PrĂ€sidialdekrets zur Kultur und gegen die Bedrohungen durch einen angeblichen âKult der Selbstsucht, FreizĂŒgigkeit und Unmoralâ wurde im Februar 2022 vorerst gestoppt.cite-ref-30[30] Das Dekret sollte âtraditionelle spirituelle und moralische Werteâ (Patriotismus, Dienst am Vaterland und Verantwortung fĂŒr sein Schicksal, hohe moralische Ideale, eine starke Familie, die PrioritĂ€t des Spirituellen vor dem Materiellen, das historische GedĂ€chtnis, die Einheit der Völker Russlands) festlegen. Kritisch betrachtet ziele das Projekt darauf ab, die Institution der ideologischen Politoffiziere und der offiziellen staatlichen Zensur wiederherzustellen.cite-ref-31[31] Kulturschaffende monierten, daraus folge, dass alles Kreative, das nicht mit der Bewahrung traditioneller Werte zusammenhĂ€nge, unnötig und damit implizit verboten sei.cite-ref-32[32]
AuĂenpolitik
Nach Ansicht von Ulrich Menzel steht eine revisionistische Politik der Errichtung einer EinflusssphÀre im postsowjetischen Raum im Zentrum des Putinismus. Dazu nutze Putin sowohl politische Mittel (z. B. Konfrontation in der UNO) als auch wirtschaftliche (z. B. Energierohstoffexporte) und militÀrische Methoden (z. B. Krieg in der Ukraine seit 2014).cite-ref-33[33]
Putins Regime kritisiert die Rolle westlicher LĂ€nder und BĂŒndnisse und interpretiert die NATO-Osterweiterung als Bedrohung der Sicherheit Russlands. Nach der Intervention im Kaukasuskrieg 2008 mit Georgien erfolgte 2014 die Annexion der Krim, eines Gebietes des heute unabhĂ€ngigen Staates Ukraine. Dabei werde, wie die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel kommentierte, âdas Recht des StĂ€rkerenâ gegen die âStĂ€rke des Rechtsâ gestellt.cite-ref-34[34]
Als Putin-Doktrin lÀsst sich die strategische Absicht erkennen, die seit 1990 entstandene Sicherheitsstruktur Europas grundlegend zu verÀndern.
Am 24. Februar 2022 begannen russische StreitkrÀfte auf Befehl von Putin einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf die Ukraine. Der dem Kreml nahestehende Politikwissenschaftler Sergej Karaganow schrieb am gleichen Tag, mittels konstruktiver Zerstörung solle die bisherige Sicherheitsarchitektur aufgehoben werden. Die Ende 2021 im Rahmen der Ukrainekrise erfolgte ultimative Aufforderung an die NATO, den Aufbau militÀrischer Strukturen nahe Russland generell zu unterlassen und auf jede Erweiterung im Osten zu verzichten, sei der Beginn dieser konstruktiven Zerstörung der seit 1990 bestehenden Ordnung in Europa; diese solle durch eine andere Art von Beziehungen mit dem Westen ersetzt werden. Die Charta von Paris und die NATO-Russland-Grundakte seien aus russischer SchwÀche geborene Fehler gewesen.cite-ref-35[35]
Die AuĂenpolitikexpertin Angela Stent schrieb einen Monat vor dem Beginn des Angriffskrieges, Putin habe das Ziel, fĂŒr Russland einen Status Ă€hnlich der ehemaligen Sowjetunion zu erreichen. Putin verlange mindestens eine eigene privilegierte EinflusssphĂ€re in der post-sowjetischen Nachbarschaft, wo den politischen WĂŒnschen Russlands Gehorsam geschuldet wĂŒrde. Putin fordere auch, dass Russland an allen wichtigen internationalen Entscheidungen beteiligt sein mĂŒsse. Nur wenigen Staaten wie Indien, VR China, Russland und den USA komme diese volle SouverĂ€nitĂ€t zu. Putin betrachte die Auflösung der Sowjetunion als Katastrophe, deren Auswirkungen rĂŒckgĂ€ngig gemacht oder abgemildert werden mĂŒssten, insbesondere, dass Millionen ethnischer Russen auĂerhalb der Russischen Föderation lebten. Die NATO mĂŒsse sich auf den Stand vor der ersten NATO-Osterweiterung (im MĂ€rz 1999 traten Polen, Tschechien und Ungarn bei) zurĂŒckziehen; LĂ€nder wie Schweden und Finnland, die nach Putins völkerrechtswidrigem Ăberfall auf die Ukraine der NATO beigetreten waren, mĂŒssten weiterhin neutral bleiben. Generell suche Putin Zusammenarbeit mit Autokratien und die Unterminierung von Demokratien. Endziel sei das revisionistische Aufbrechen der transatlantischen Partnerschaft der USA mit Europa und eine neue Weltordnung, die den Prinzipien des Konzerts der MĂ€chte im 19. Jahrhundert entsprĂ€che und die von den USA geschaffene liberale Ordnung ersetze. Die Annahme amerikanischer SchwĂ€che und die russische militĂ€rische AufrĂŒstung der letzten Jahre erhöhten das Risiko eines aggressiven Vorgehens Putins. Im Zentrum von Putins Aufmerksamkeit stehe die Ukraine.cite-ref-36[36]
Margareta Mommsen schrieb Putin 2022 das Ziel zu, Russland, Belarus und die Ukraine und möglicherweise Teile von Kasachstan staatlich zu vereinigen. Die Demokratiebewegung in der Ukraine und ihre Hinwendung zum Westen in der Maidan-Revolution nehme er als Bedrohung wahr, da eine sich demokratisierende Ukraine ein âGegenmodell zum Putinismusâ sei. Putin selbst habe fĂŒr Russland diesbezĂŒglich âvon einer Gefahr der Ukrainisazija gesprochenâ.cite-ref-37[37]
Russki Mir
â
Hauptartikel
:
Russki Mir
Historische Entwicklung
Die Idee des Russki Mir hat ihre Wurzeln bereits im 19. Jahrhundert, ursprĂŒnglich als poetische Metapher. Der Schriftsteller und Historiker Nikolai Michailowitsch Karamsin (1766â1826) rechtfertigte 1818 in seinem Hauptwerk Geschichte des russischen Staates (ĐŃŃĐŸŃĐžŃ ĐłĐŸŃŃЎаŃŃŃĐČа Đ ĐŸŃŃĐžĐčŃĐșĐŸĐłĐŸ) die Selbstherrschaft des Zaren (russisch: cĐ°ĐŒĐŸĐŽĐ”ŃжаĐČОД; samoderschawie) als Ausdruck des russischen Volksgeistes, der als einigendes Kollektivsymbol einfaches Volk und Adel verbinden sollte, ebenso wie die Liebe zur russisch-orthodoxen Religion. Ganz im Geiste Karamsins prĂ€gte der Politiker und Wissenschaftler Sergei Semjonowitsch Uwarow 1833 die Losung Orthodoxie, Autokratie, NationalitĂ€t als Gegensatz zur Losung Freiheit, Gleichheit, BrĂŒderlichkeit der Französischen Revolution. Puschkins Freund, der Schriftsteller Pjotr Andrejewitsch Wjasemski nannte 1848 in seinem Gedicht Die heilige Rus die Symbole, die Russland vor dem verderblichen europĂ€ischen Einfluss bewahren sollten: Orthodoxer Glaube, Liebe zum Zaren, die russische Geschichte und schlieĂlich die russische Sprache, welche er zum Medium erklĂ€rte, durch das der russische Mensch mit Gott kommuniziere. Am 14. MĂ€rz 1848 hatte ein Zarenmanifest Ăber die Vorkommnisse im westlichen Europa die zentralen rhetorischen Argumente vorgegeben: Die Religion sei als VermĂ€chtnis der Vorfahren zu bewahren und, da Russlands Feinde ĂŒberall seien, mĂŒsse die Verteidigung Russlands ĂŒberall und nicht nur an seinen Grenzen erfolgen. Auch Dostojewskij sah die Mission Russlands darin, âmit den russischen Worten der Wahrheit die tragischen MissverstĂ€ndnisse der west-europĂ€ischen Zivilisation zu korrigierenâ, wie er 1873 im Tagebuch eines Schriftstellers formulierte.cite-ref-analysen-38-0[38]
Solche Sakralisierung hatte mit der Oktoberrevolution zunĂ€chst ein Ende, doch entwickelte die Sowjetunion als TrĂ€ger der Revolutionsidee sowie auch als Weltmacht einen wahrlich globalen âWeltâ-Begriff. Ab 1944 hieĂ es in der Hymne der Sowjetunion: âDie unzerbrechliche Union der freien Republiken vereinigte fĂŒr die Ewigkeit die groĂe Rus.âcite-ref-analysen-38-1[38]
Zum anderen hatten die so genannten Eurasier seit den 1920er Jahren im Exil einen unĂŒberwindlichen Gegensatz zwischen der eurasischen Kultur Russlands und der âgermano-romanischenâ Kultur Westeuropas imaginiert. Innerhalb Russlands wurden erst in den 1990er Jahren bei der âNeuen Rechtenâ diese Ideen zielstrebig den neuen politischen Bedingungen angepasst und nach dem Wegfall und an Stelle der marxistisch-leninistischen Ideologie zu einer neuen imperialistischen, dem Neo-Eurasismus weiterentwickelt.cite-ref-analysen-38-2[38]
Im 21. Jahrhundert
Das ursprĂŒngliche Kulturkonzept Russki Mir (âRussische Welt/Gemeinschaftâ) dient nun in ideologisierter Form zur Legitimierung des russischen Einflusses im postsowjetischen Raum (âNahes Auslandâ). Es postuliert mit RĂŒckgriff auf die Zeiten der Kiewer Rus eine gemeinsame ostslawische IdentitĂ€t (âdreieiniges russisches Volkâ), worin die russische Sprache und Literatur eine besondere Verbindung herstelle.cite-ref-dekoder-39-0[39] Der belarussische Philosoph und Dichter Ihar Babkou beschrieb das Wesen des Konzepts 2022 hingegen mit folgenden Worten: âDie heutige âRussische Weltâ umfasst Praktiken des brutalen und aggressiven Neoimperialismus, die vor allem gegen die direkten Nachbarstaaten gerichtet sindâ, wie sie erst seit â2014/2015 vollstĂ€ndig zum Vorschein gekommen sindâ.cite-ref-40[40]
Die geopolitische Konzeption vereint antiwestliche, antiliberale und neoimperiale Strömungen.cite-ref-analysen-38-3[38] Der Begriff wĂ€re im rein russischen VerstĂ€ndnis mit dem Commonwealth vergleichbar, unterscheidet sich aber markant durch die Tatsache, dass die Kirche und die Religion eine wesentliche Rolle spielen.cite-ref-analysen-38-4[38] Die Gegnerschaft der Kirche gegenĂŒber dem Westen wird auch mit dessen angeblicher âChristianophobieâ begrĂŒndet.cite-ref-41[41] Diese radikale Abgrenzung von Europa mĂŒndet im russischen âSonderwegâ.cite-ref-analysen-38-5[38]
Der Sprachgebrauch ist uneinheitlich, neben einem spezifischen, ârussischenâ Geschichtsbewusstsein kann der Begriff auch einfach die UnterstĂŒtzung fĂŒr die russische beziehungsweise putinsche Politik bedeuten.cite-ref-analysen-38-6[38]
2006 definierte Wladimir Putin das Konzept und forderte KĂŒnstler auf, den Ausdruck zu verwenden,cite-ref-dekoder-39-1[39] 2007 grĂŒndete er die Stiftung Russki Mir. Russische Sprache und Kultur sollten damit vor allem in den ehemaligen Sowjetstaaten gefördert werden. Die Bewegung entwickelte, beeinflusst vom Panslawismus und mit ihrer GegenĂŒberstellung einer orthodoxen Kraft gegenĂŒber dem Westen, eine eigene konfrontative Dynamik.cite-ref-42[42] Die Ideologie der russisch-orthodoxen Kirche, gefĂŒhrt vom Patriarchat von Moskau und der ganzen Rus, deckt sich mit der staatlichen Politik der russischen Welt, auch sie erhebt ihren Machtanspruch ĂŒber die Grenzen Russlands hinaus. Die russisch-orthodoxe Kirche und der Moskauer Patriarch trĂŒgen eine direkte Verantwortung fĂŒr die expansive Politik Russlands.cite-ref-43[43] Ein Netzwerk im Dienste Russlands propagiert Russki Mir speziell in der Ukraine, in Georgien und in Moldawien, jenen LĂ€ndern, welche die Absicht bekundeten, sich der westlichen Welt anzuschlieĂen; seit 2012 setzte Moskau dafĂŒr schĂ€tzungsweise 130 Millionen Dollar im Jahr ein.cite-ref-44[44] Dass die Suche einer neuen russischen Doktrin zur autoritĂ€ren Rechten fĂŒhren wĂŒrde, war fĂŒr Walter Laqueur klar gewesen, aber das Tempo und wie weit diese Entwicklung gehen wĂŒrden, ĂŒberraschten ihn.cite-ref-45[45]
Dazu kommt das Konzept einer âheiligen Rusâ, also der Beanspruchung der Kiewer Rus als Ursprung Russlands.cite-ref-analysen-38-7[38] Nach russischen Vorstellungen ist der Platz der Ukraine in der russischen Welt.cite-ref-46[46] Im Falle der Ukraine spricht eine Mehrheit der Russen den Ukrainern gar ab, eine staatsbildende Kraft zu besitzen, und betrachtet sie als Teil ihrer umfassenden orthodoxen russischen Gemeinschaft Russki Mir.cite-ref-47[47] Der Begriff Russki Mir kommt in der PrĂ€ambel der Verfassung der âVolksrepublik Donezkâ gleich vier Mal vor. Nach dem begonnenen Hybridkrieg gegen die Ukraine fand sich die gesamte Bandbreite imperialer Organisationen von ultra-religiös bis linksradikal hinter dem Begriff vereint.cite-ref-analysen-38-8[38]
Theoretiker des Putinismus
Laut dem französischen Philosophen Michel Eltchaninoff (2015, 2022), der eine Arbeit ĂŒber den Putinismus verfasst hat, habe Putin als politischer Lenker kein Interesse daran, in Russland eine Staatsideologie nach dem Vorbild des Marxismus-Leninismus in der Sowjetunion zu etablieren. Jedoch könne man in seinen Reden und seinem Handeln verschiedene philosophische EinflĂŒsse ausmachen.cite-ref-48[48] Dabei vermenge Putins Ideologie sehr verschiedenartige philosophische Linien miteinander: die weiĂgardistischen Traditionen Iwan Iljins (1883â1954), den groĂrussischen Panslawismus von Nikolai Danilewski (1822â1885), die Ideen der deutschen Konservativen Revolution um Carl Schmitt (1888â1985), Ernst JĂŒnger (1895â1998) und Ernst Niekisch (1889â1967), die eurasischen Theorien von Lew Gumiljow (1912â1992) und Alexander Dugin (* 1962) sowie auch Teile des sowjetischen Denkens. Den gemeinsamen Kern aller dieser ideologischen AnsĂ€tze sieht Eltchaninoff in âder Idee des Imperiums und der Apologie des Kriegesâ.cite-ref-49[49]
Eltchaninoff bewertet Putins Methode, eine eigene âGeschichtsphilosophieâ zu konstruieren, als âFlickenteppichâ. Insbesondere gebe es ein SpannungsverhĂ€ltnis zwischen den Hauptzielen der drei hauptsĂ€chlichen âVorbilderâ Putins, nĂ€mlich dem Panslawismus, dem Eurasismus und dem antimodernen Konservatismus. Eltchaninoff weist darauf hin, dass Putin zu Beginn der Annexion der Krim 2014 philosophische Schriften an Tausende FunktionĂ€re, Gouverneure und Parteikader in Russland mit einer LektĂŒreempfehlung verteilen lieĂ. Es habe sich um die BĂŒcher âUnsere Aufgabenâ von Iwan Iljin, âDie Philosophie der Ungleichheitâ von Nikolai Berdjajew und âDie Rechtfertigung des Gutenâ von Wladimir Solowjow gehandelt. Solowjow habe sich, wie Putin, als âRetter der christlichen Mythen und Religionen gegen die ProfanitĂ€t des Westensâ verstanden. Berdjajew habe die These vertreten, man könne sich nicht von Vergangenheit, Traditionen und Wurzeln der Geschichte trennen. Die Ideologie Putins bezieht zudem Elemente ein, welche von Philosophen wie Nikolai Danilewski stammen.cite-ref-50[50]
Imperialer Nationalismus nach Iwan Iljin
Iwan Iljin gilt als der âHausphilosophâ des Putinismus, der vom PrĂ€sidenten in seinen wichtigsten Reden zitiert wird. Der russische Filmregisseur Nikita Michalkow soll Putin nach 1998 mit dem Werk Iljins vertraut gemacht haben.cite-ref-51[51] Iljin vertritt in seiner Philosophie eine Mischung aus Hegelianismus, Militarismus und imperialem Nationalismus. So spricht er einigen âVolksstĂ€mmenâ die FĂ€higkeit ab, eigene Staaten zu bilden, u. a. den Kroaten, Slowaken, Katalanen, vor allem aber den im historischen russischen Einflussbereich lebenden baltischen, kaukasischen, zentralasiatischen Völkern wie auch den Belarussen und Ukrainern. Diese mĂŒssten daher Iljin zufolge unter der Kontrolle ihrer Nachbarstaaten bzw. unter der ânatĂŒrlichen Kontrolleâ Russlands verbleiben. âDer imperialistische Westen werde das falsche Versprechen von Freiheit nutzen, um Russland LĂ€nder wegzunehmen: das Baltikum, den Kaukasus, Zentralasien und vor allem die Ukraine.âcite-ref-52[52] Abspaltungsbestrebungen dieser Völker vom Russischen Reich setzt Iljin ein ultranationalistisches âorganischesâ NationsverstĂ€ndnis entgegen. Russland sei ihm zufolge kein âkĂŒnstlich fabrizierter Mechanismusâ, sondern ein âhistorisch gewachsener und kulturell gerechtfertigter Organismusâ. Somit sei eine âZerstĂŒckelungâ dieses russischen nationalen Organismus unmöglich, ohne das dieser dabei leide oder zugrunde geht.cite-ref-53[53]
Die Gedankenwelt Iwan Iljins, eines russischen Philosophen aristokratischer Herkunft und faschistischen AnhĂ€ngers der Slawophilie, beeindrucke Putin am meisten. Iljin habe sich mit der Frage befasst, wie ein postsowjetisches Russland beschaffen sein und welche Eigenschaften ein postkommunistischer FĂŒhrer haben sollte. Er beschĂ€ftigte sich mit Hegel, fĂŒrchtete zugleich das Ideal des Individualismus, beobachtete erschrocken ein Ăberhandnehmen freiheitlichen Lebensstils und war ĂŒberzeugt, Russland wĂ€re von einer Ausbreitung der âsexuellen Perversionâ bedroht. Angesichts der RadikalitĂ€t der Bolschewiki wurde Iljin zum extremen AnhĂ€nger der âWeiĂen Armeenâ, also der zaristischen MilitĂ€rs, die den Bolschewismus bekĂ€mpfen.
In seinen Schriften im Exil, zunĂ€chst in Deutschland, dann in der Schweiz, beschwor Iljin zwanghaft die âWiedergeburtâ des âVaterlandesâ. Russland war fĂŒr ihn âGott, Vaterland und der nationale ĐČĐŸĐ¶ĐŽŃâ (woschd, voĆŸdÊč), d. h. FĂŒhrer, (ĂŒbertragen) SouverĂ€n, Zar; der nicht bloĂ Person, sondern die Verkörperung der staatlichen Macht, der âEinzigeâ ist, der auch ĂŒber den morschen Apparaten des Staates steht. Demokratie und Entscheidungen durch Wahlen oder Abstimmungen lehnte er ab. Insbesondere fĂŒr Russland, denn âDemokratieâ, âLiberalitĂ€tâ oder âFreiheitâ passten nicht zu Russland und seiner eurasischen IdentitĂ€t. Russland sei eine Zivilisation eigener Art, eine Mischung aus der byzantinischen Kultur, der russisch-orthodoxen Kirche und der mongolisch-asiatischen Lebensart. Die Nation wird als organische Einheit gesehen. In den zwanziger und dreiĂiger Jahren bewunderte Iljin Hitler und Mussolini sowie die faschistische Idee als ârettendes ĂbermaĂ an patriotischer WillkĂŒrâ.
1954 im Schweizer Exil verstorben, war Iljin eigentlich lange vergessen, erst seit den 1990er Jahren wird er in Russland nach und nach wieder verlegt. Vladimir Putin entdeckte ihn anlĂ€sslich der testamentarisch gewĂŒnschten Umbettung von Iljins sterblichen Ăberresten auf den Friedhof des Donskoi-Klosters in Anwesenheit von Patriarch Alexis II. und legte Blumen an seinem Grab nieder.cite-ref-54[54] Putin propagiert seitdem Iljins Ideen und zitiert ihn geradezu obsessiv in seinen Ansprachen.cite-ref-55[55]
Surkow
Der Politiker Wladislaw Surkow bezeichnet sich selbst als einen der Autoren dieses Systems.cite-ref-56[56] Laut Robert Misik benutzte Surkow als langjĂ€hriger Herrscher ĂŒber die staatlichen Medien bis 2013 seine Kenntnis post-moderner französischer Philosophie zynisch, um die Bevölkerung zu manipulieren, zu verwirren und zu lĂ€hmen: Das unverdorbene russische Volk sei vor der âĂŒberdosiertenâ und damit verderblichen Freiheit des Westens inklusive seiner âsexuellen Perversionâ zu bewahren. Es bedĂŒrfe vielmehr einer âsouverĂ€nenâ alias âgelenkten Demokratieâ; diese sei eigentlich eine âgute Diktaturâ. Ab 2014 galt Surkow als Putins persönlicher Berater fĂŒr den Konflikt in der Ukraine und auch als Erfinder des Vorwurfs eines Genozids an der russischen Ethnie sowie der Idee, âfreiwilligeâ KĂ€mpfer und âUnabhĂ€ngigkeitsâ-Marionetten im Donbass zu installieren. 2020 trat er auch von seinem Amt als Ukraine-Beauftragter zurĂŒck; seine heutige Rolle ist völlig im Dunkeln.cite-ref-57[57]
Timofej Sergejzew - Sinowjew Klub
Georgij Schtschedrowizkij war Student bei Alexander Alexandrowitsch Sinowjew und grĂŒndete eine sektenĂ€hnliche Gruppe sogenannter âMethodologenâ. Daraus entstammt auch der fĂŒr seinen Aufruf zum Völkermord in der Ukrainecite-ref-58[58]cite-ref-59[59] im April 2022 berĂŒhmt gewordene Politikberater Timofej Sergejzew, der schon 2021 zur Entnazifizierung der Ukraine aufrief. Sergejzew grĂŒndete mit dem Chefpropagandisten Dmitrij Kisseljow den âSinowjew-Klubâ fĂŒr antiwestliche und antiukrainische Propaganda.cite-ref-sinowjew-60-0[60] Dort wurde beispielsweise vom Duma-Abgeordneten Dmitri Kulikow 2015 das Ende der Demokratie postuliert.cite-ref-61[61] Schtschedrowizkijs Sohn Pjotr hingegen war nach dem Machtantritt Putins fĂŒr die Neuerschaffung des Begriffs der ârussischen Weltâ verantwortlich.cite-ref-sinowjew-60-1[60]
Alexander Geljewitsch Dugin
Andreas Umland beschrieb bereits 2004 eine Hinwendung russischer Diskussionen hin zum Publizisten Alexander Dugin. Anders als die Neue Rechte in Europa, deren Versuch die Diskurshoheit zu erlangen wenig erfolgreich verlaufen sei, habe Dugin es vermocht âmittels politischer Mimikry tief in den Diskurs des politischen und akademischen Mainstreams der RusslĂ€ndischen Föderation einzudringenâ und auch in den Medien und Eliten RĂŒckhalt fĂŒr Vorstellungen zu gewinnen, die unter dem Zeichen des Eurasismus Elemente des Faschismus aufwiesen und stark antiwestlich orientiert seien.cite-ref-62[62] Dugin suchte und fand schon in den 1990er Jahren die NĂ€he zur und die Zusammenarbeit mit der russischen Generalstabsakademie â höherrangige Offiziere berieten ihn bei der Verfassung von Texten â und lobte, nachdem er zuvor die Geheimdienste als westfreundlich kritisiert hatte, den kurz zuvor noch von Wladimir Putin geleiteten FSB als âneue Kasteâ, mit der Aufgabe die Hegemonie der Amerikaner zu verhindern und wieder einen mĂ€chtigen eurasischen Staat zu schaffen.cite-ref-63[63]
2014 diagnostizierte Umland, dass es zwischen den Vorstellungen Dugins und Putins Ăberschneidungen gĂ€be, ohne dass sie identisch wĂ€ren. Putin begrĂŒnde den imperialen Herrschaftsanspruch nicht mehr mit den alten Idealen der Sowjetunion, sondern durch eine âeher rechte und offen kulturalistische Ideologie vom angeblich gemeinsamen eurasischen Ursprung und Wertesystem bzw. von einer authentischen eurasischen Zivilisation mit ihren verschiedenen nationalen Variationenâ mit dem Ziel einer Eurasischen Union. Der alte Herrschaftsbereich solle so neu begrĂŒndet werden. Dugin sehe das Ă€hnlich, gehe aber ĂŒber solch restaurative Ansichten noch weit hinaus, sein vorgestelltes Imperium sei in BegrĂŒndung und Konzeption neuartig und erinnere an den Faschismus zwischen den Weltkriegen. Die russische Kultur solle von allem Fremden gereinigt werden und ein neuer Typ eines eurasischen und integrierten Menschen geschaffen werden. Das âZiel der AnhĂ€nger Dugins ist eine vollstĂ€ndige Umformung Russlands, des eurasischen Kontinents sowie letztlich der gesamten Welt im Sinne der Vorstellungen einer âkonservativen Revolutionââ. Insofern sei Dugin revolutionĂ€r wo Putin reaktionĂ€r bleibe. Dugin injiziere seine Ideologie allerdings Ă€uĂerst geschickt in Gesellschaft, Eliten und Diskurse: Er verstehe sich dabei nicht als politischer FĂŒhrer, sondern als Ideengeber, dessen Vorstellungen gefolgt wĂŒrde, weil sie inzwischen in der Ăffentlichkeit hegemonial seien. Putin und Dugin seien mindestens âtaktische VerbĂŒndeteâ, die Wiedererlangung des alten Reiches sei auch der erste Schritt bei Errichtung des neuen. Dugins Organisationen spielten eine wichtige Rolle im System Putins, dass er ins Moskauer Establishment vordrang und sich halten könne deute darauf hin, dass er zumindest aus dem Umfeld Putins wohlwollende UnterstĂŒtzung erhalte. Trotz eher spĂ€rlicher akademischer Leistungen habe man Dugin zum Professor an der weitrespektierten Lomonossow-UniversitĂ€t gemacht. Dugin erfĂŒlle dazu einen besonderen Zweck fĂŒr Putin: Gerade der Extremismus duginscher Vorstellungen erlaube es Putin, noch als gemĂ€Ăigt zu erscheinen. Allerdings sah Umland in dieser Strategie auch fĂŒr Putin ein Risiko, nĂ€mlich das, die gerufenen Geister womöglich nicht mehr loswerden zu können.cite-ref-64[64] Das einflussreiche und der PrĂ€sidialverwaltung direkt unterstellte Russische Institut fĂŒr Strategische Studien unter Leonid Reschetnikow, das eine Rolle in der ideologischen BegrĂŒndung russischer Politik spielt, arbeitete mit Dugin eng zusammen.cite-ref-65[65]
2022 nach dem Beginn des Ăberfalls auf die Ukraine bezeichnete Micha Brumlik Dugin als den âPhilosoph[en] hinter Putinâ. Es sei âhöchste Zeit, Wladimir Putin als einen RevolutionĂ€r im Geiste des rechtsextremen Dugin zu begreifenâ. Dugin habe 2014 ĂŒber Putin, mit dem er durchaus auch Auseinandersetzungen wegen dessen nach Dugins Meinung zu groĂer LiberalitĂ€t hatte, ausgesagt, dass dieser letztendlich zu einer Politik gegen den Westen zurĂŒckkehren werde. Damit habe Dugin recht behalten.cite-ref-66[66] Nach Volker WeiĂ ist zwar unklar, inwiefern Dugins ânationalreligiöses Programm in der StaatsfĂŒhrung tatsĂ€chlich Gehör findet. Zu sehr von dieser Mischung scheint sich das Denken dort aber nicht zu unterscheiden, das Russlands FĂŒhrung zum Angriff trieb.âcite-ref-67[67] Jason Stanley sieht Dugins Beitrag zum Putinismus weniger in direktem politischen Einfluss als darin, dass er Putins geopolitische Ziele und Vorstellungen nachvollziehbar formuliert habe. Beiden gemeinsam sei eine unbedingte Ablehnung des westlichen, kosmopolitischen, Liberalismus. Dugin habe zu dem beigetragen was nun die dominante Ideologie des Kremls sei.cite-ref-2-68-0[68]
Leonid Luks stimmt dem zu. Dugins pseudowissenschaftliches Kreisen um Geopolitik sei letztlich auf ein eurasisches GroĂreich und danach - nach Dugins eigenen Worten - final auf den russischen Kampf um die Weltherrschaft gerichtet. Die Entfernung einer unabhĂ€ngigen Ukraine als Hindernis sei laut Dugin die unbedingte Voraussetzung dafĂŒr. Bereits 1997 hatte Dugin in seinem Buch Die Grundlagen der Geopolitik ein Ende ihrer Eigenstaatlichkeit gefordert. Putins gelenkte Demokratie habe die Propagierung dieser Vorstellungen erleichtert, dennoch seien sie lange nicht durchgedrungen und Putin sei 2014 entgegen Dugins WĂŒnschen, der die Eroberung Neurusslands forderte, noch vor einem GroĂkonflikt mit dem Westen zurĂŒckgeschreckt. 2022 jedoch habe sich Putins Kriegspolitik dann tatsĂ€chlich dem angenĂ€hert, was Dugin seit jeher schon fordert. Putin und Dugin seien sich allerdings auch darin Ă€hnlich, den Kampfeswillen der Ukrainer, die westliche Reaktion und vor allem die USA vollkommen unterschĂ€tzt zu haben. Der Gedanke, eine Allianz unzufriedener Staaten in einen Kampf gegen die amerikanische Hegemonie fĂŒhren zu können, habe sich als Illusion erwiesen.cite-ref-69[69]
Dugin selbst reagierte auf die Invasion der Ukraine und Putins VerkĂŒndung, dass die âunipolare Weltordnungâ der USA nun beendet sei, triumphierend: Putin habe sich zu einer âRevolution von obenâ entschlossen, die alten âElitenâ Russlands seien erledigt, nun regierten die Eliten Neurusslands, die in eine volle Konfrontation mit dem Westen gingen, die Ukraine bombardierten und asiatische und afrikanische Partner jenseits des Westens suchten. Liberalismus werde demnĂ€chst strafbar sein, SĂ€uberungen stĂŒnden an. Alles geschehe wie von den Eurasiern vorgestellt. Putin sei ein Mann, der seine Absichten gekonnt verschleiere, aber handele.cite-ref-70[70]
GebrĂŒder Kowaltschuk
Nach einer im Jahr 2022 geĂ€uĂerten EinschĂ€tzung eines russischen Politikwissenschaftlers existiert eine âHandvollâ GeschĂ€ftsleute, die so eng mit Wladimir Putin vertraut sind (u. a. weil sie mit Putin eine âbestimmte Weltsichtâ und âVorstellungen von der Zukunftâ teilen), dass sie bei Putin wichtige politische Entscheidungen anstoĂen können, die anderen Oligarchen nicht vorbehalten sind. Zu der âHandvollâ GeschĂ€ftsleute gehörten die GebrĂŒder Michail und Juri Kowaltschuk.cite-ref-71[71]
EinschÀtzung des Putinismus und seine mögliche Charakterisierung als faschistisch
Der deutsche Osteuropa-Historiker Erwin OberlĂ€nder bezeichnet Putins Russland fĂŒr das Jahr 2017 als eine ânationalkonservative Diktaturâ, die mit dem Begriff âgelenkte Demokratieâ nur âschöngeredetâ werde.cite-ref-72[72] Stefan Plaggenborg sah bereits 2014 nach der Annexion der Krim Analogien zum Aufkommen des italienischen Faschismus.cite-ref-73[73]
Der Politologe Taras Kuzio (2022) argumentiert, dass Putin sein System hin zum Faschismus wende. 2020 habe er sich durch VerfassungsĂ€nderung in einem unfreien Referendum die Möglichkeit gegeben bis 2036 an der Macht zu bleiben, freie Medien seien dem folgend unterdrĂŒckt und gemeinsam mit der Opposition zerschlagen worden, damit sei die Schwelle zur Diktatur ĂŒberschritten. Seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine seien dazu Militarismus und Nationalismus nochmal gesteigert worden, Ukrainer wĂŒrden in der Propaganda dehumanisiert, jeder Gedanke an eine ukrainische IdentitĂ€t werde delegitimiert, auf Völkermord gerichtete Drohungen wĂŒrden ausgestoĂen und ein Vernichtungskrieg sei begonnen worden. Ăhnlich wie Hitler wolle Putin revanchistisch eine als ungerecht betrachtete internationale Ordnung umwerfen. Damit habe Russland sich klassischen Merkmalen des Faschismus angenĂ€hert.cite-ref-74[74] Auch Osteuropahistoriker und Holocaustforscher Timothy Snyder (2022) hĂ€lt das System Putins mittlerweile fĂŒr faschistisch: Einparteienherrschaft, verschwörungstheoretisches Freund-Feind-Denken und die versuchte Auslöschung der Ukraine als Staat mit eigenen Traditionen bis hin zu genozidalen Handlungen wie Deportationen von Kindern nach Russland seien deutliche Indikatoren dafĂŒr.cite-ref-0-75-0[75]cite-ref-1-76-0[76] Alexander Motyl sieht das System Russlands gleichfalls als faschistisch an. Faschistische Staaten unterschieden sich von anderen autoritĂ€ren oder totalitĂ€ren Systemen dadurch, dass sie von einem charismatischen Personenkult geprĂ€gt seien, was fĂŒr Putins Russland zutreffe,- auch wenn der erkennbar alternde Putin Schwierigkeiten habe das hypermaskuline Bild aufrechtzuerhalten.cite-ref-77[77]cite-ref-78[78] Der Philosoph und Faschismusforscher Jason Stanley bejaht die Charakterisierung des Putinismus als faschistisch, da Putin starke Anleihen beim faschistischen Denken Alexander Dugins genommen habe und dieses nun die dominante Ideologie des Kreml sei.cite-ref-2-68-1[68]
Der russische Ăkonom und Soziologe Wladislaw Inosemzew sieht in Putin einen Faschisten im klassischen Sinne. Da er nicht rassistisch argumentiere, sondern kulturalistisch, sei er nicht mit Adolf Hitler zu vergleichen, sondern mit Benito Mussolini. Ausgehend von der Faschismusdefinition nach Robert Paxton macht Inosemzew bei Putin eine besessene BeschĂ€ftigung mit einer als demĂŒtigend erfahrenen Geschichte und ein BĂŒndnis von aggressiven Nationalisten mit alten Eliten aus, verbunden mit (einst von Umberto Eco fĂŒr den Faschismus entwickelten) Merkmalen wie des Kultes der Tradition bei gleichzeitigem Verschwörungsdenken und Brandmarkung von Abweichung als Verrat. Vier SĂ€ulen des Systems seien auszumachen: Das Ziel alle identifizierten Russen in einem einzigen Staat zu vereinen und diesen zu militarisieren, das Fortschreiten der beherrschenden Rolle des Staates in der Wirtschaft hin zu korporativen Strukturen (was an Vorstellungen Giovanni Gentiles erinnere), die Reorganisation der Staatsverwaltung zu âVollstreckungsbehördenâ wie StreitkrĂ€ften, Nationalgarde, weiteren paramilitĂ€rischen Organisationen wie Privatarmeen oder âethnischen Gardenâ wie den Soldaten Ramsan Kadyrows und den Geheimdiensten, die allesamt von Vertrauten Putins geleitet und in der Verfassung teilweise nicht mal erwĂ€hnt wĂŒrden und viertens die Staatspropaganda mitsamt Festschreibung politischer und historischer Narrative.cite-ref-79[79]
Die beiden vergleichenden Faschismusforscher Roger Griffin und Stanley Payne (2022) hingegen lehnen auch im Kontext des russischen Ăberfalls auf die Ukraine 2022 eine Einordnung Putins als âFaschistenâ ab, da seine Ideologie nicht revolutionĂ€r, sondern reaktionĂ€r ausgerichtet sei. Zwar hĂ€lt Payne fest, dass Putins Regime das seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ânĂ€chstliegende Analogon zum Faschismus in einem groĂen Landâ darstellen wĂŒrde. Dem Vergleich mit Mussolini und Hitler hĂ€lt Payne dennoch entgegen, dass Putin âals Apparatschik aufgewachsenâ und somit âein Produkt des russischen Staatesâ sei, der keine âdynamische und charismatische Bewegung im faschistischen Stilâ aufgebaut habe. Payne konstatiert, Putins politisches System sei âeher eine Wiederbelebung des Glaubensbekenntnisses von Zar Nikolaus I. im 19. Jahrhundert, der Orthodoxie, Autokratie und NationalitĂ€t betonte, als eines, das den revolutionĂ€ren, modernisierenden Regimen von Hitler und Mussoliniâ Ă€hnelt. Roger Griffin hĂ€lt an einer Betrachtungsweise des Putin-Regimes als illiberale Demokratie fest und sieht Russland stattdessen ideologisch in einer Reihe mit Narendra Modis Indien. Man könne jedoch laut Griffin auch einen Vergleich zum ultranationalistischen Regime Japans wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges ziehen, das ebenfalls einige Elemente des Faschismus ĂŒbernahm, ohne aber selbst zu einem authentisch faschistischen Regime zu werden. Anders als beim revolutionĂ€ren Ultranationalismus der Faschisten, wĂŒrden diese StaatsfĂŒhrer nicht versuchen, das bisherige System zu zerstören, sondern es stattdessen aushöhlen und in ihrem Sinne benutzen.cite-ref-80[80]
Der französische Philosoph Michel Eltchaninoff (2022) sieht in seinem Buch zum Putinismus dessen VerhĂ€ltnis zum Faschismus kritisch. Er folgt dem Urteil des russischen Historikers Nikolai Mitrochin, demzufolge die Philosophie Iwan Iljins fĂŒr das Putin-Regime die ârussische Alternative zum Faschismusâ darstelle. So sei Iljin von seiner kurzzeitigen Bewunderung fĂŒr Mussolini und Hitler zwar wieder abgerĂŒckt, habe aber anschlieĂend in Salazars Portugal und Francos Spanien seine Vorbilder gesehen. Damit liefere er dem Putinismus eine Möglichkeit, âden Faschismus zu umgehen und doch ganz eng mit ihm zu verkehrenâ.cite-ref-81[81] Jedenfalls stelle sich im Kontext von Putins Diskurs, so Eltchaninoff weiter, erneut die Frage nach den noch wenig erforschten Verbindungen zwischen einem Teil der weiĂgardistischen Emigration, dem Faschismus und dem Nationalsozialismus.cite-ref-82[82]
Der Journalist Michael Thumann erklĂ€rt in der Morgenkolumne von Zeit Online am 10. Juni 2022, weshalb er den Putinismus nicht fĂŒr Faschismus hĂ€lt: Zwar gebe es, wie Snyder ausfĂŒhrt, durchaus Analogien, doch sei dessen Argumentation unscharf und sein Faschismusbegriff ĂŒberdehnt. Thumanns Moskauer Beobachtungen stimmten damit nicht ĂŒberein. Er habe da ânoch keine quasi staatlichen Milizenâ wie SA oder âFasci di Combattimentoâ gesehen, die die Menschen terrorisierten. Auch fehle dem Putinismus eine klare Ideologie. Putins dĂŒrftige GeschichtsaufsĂ€tze seien ein âabgeschriebenes Sammelsurium von Halb- und Unwahrheiten.â Er sei âein »neuer Nationalist«, der sich seinen Nationalismus je nach Lage und OpportunitĂ€t zusammenmixtâ. Es gebe keinen naziartigen Totenkult; vielmehr werden die Gefallenen im Ukraine-Krieg ânicht geehrt und gefeiert, sondern versteckt und vergraben.â Putin âĂŒberhöht den Krieg nicht als das Ziel menschlichen Daseinsâ, sondern verpackt seinen Angriffskrieg als Operation und scheut bisher die Generalmobilmachung. Das âpasst auf ein verwandtes System: die Gewaltherrschaft eines Mannes. Eine Diktaturâ nach dem Vorbild seiner russischen ultraautoritĂ€ren VorgĂ€nger.cite-ref-83[83]
Ulrich Herbert lehnt eine Charakterisierung des Systems Putins als faschistisch gleichfalls ab, dazu fehle es an einer tragenden Massenbewegung. Vergleiche mit Hitler seien disproportional, es sei falsch jede brutale Rechtsdiktatur als faschistisch zu bewerten.cite-ref-84[84] Andreas Buller wiederum wendet sich dem Studium der Moral und Sprache des Putinismus zu, dessen moralische UrsprĂŒnge er sowohl in der Ethik des Bolschewismus als auch in der Ideologie des Nationalsozialismus findet.cite-ref-85[85]
Siehe auch
Literatur
âą Marlene Laruelle: Ideology and Meaning-Making under the Putin Regime. Stanford University Press, Stanford 2025, ISBN 978-1-5036-4159-4, doi:10.1515/9781503641600.
âą Mikhail Suslov: Putinism: Post-Soviet Russian Regime Ideology. Routledge, London 2024, ISBN 978-1-032-15388-9.
âą StĂ©phane Courtois, Galia Ackerman (Hrsg.): Schwarzbuch Putin. Piper, MĂŒnchen 2023, ISBN 978-3-492-07098-0.
âą Michel Eltchaninoff: In Putins Kopf: Logik und WillkĂŒr eines Autokraten. Aktualisierte Neuausgabe, Tropen Sachbuch, Stuttgart 2022 [französische Originalausgabe 2015], ISBN 978-3-608-50182-7.
âą Timothy Snyder: Der Weg in die Unfreiheit: Russland, Europa, Amerika. Beck, MĂŒnchen 2018, ISBN 978-3-406-72501-2 (Rezension).
âą Brian Taylor: The Code of Putinism. Oxford University Press, New York 2018, ISBN 978-0-19-086731-7.
âą Walter Laqueur: Putinismus: Wohin treibt Russland? (Originaltitel: Putinism, Russia and Its Future with the West, 2015, ĂŒbersetzt von Klaus-Dieter Schmidt). PropylĂ€en, Berlin 2015, ISBN 978-3-549-07461-9.
⹠Erweiterte Neuauflage: PropylÀen, Berlin 2022, ISBN 978-3-549-10057-8.
âą Ronald J. Hill, Ottorino Cappelli (Hrsg.): Putin and Putinism. Routledge, Abingdon (Oxfordshire) 2013.
âą Marcel H. Van Herpen: Putinism: The slow rise of a radical right regime in Russia. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2013.
âą Richard Sakwa: The Crisis of Russian Democracy. The Dual State, Factionalism and the Medvedev Succession. Cambridge University Press, Cambridge 2011.
âą Richard Sakwa: Russian Politics and Society. Routledge, London / New York 2008.
âą Hannes Adomeit: Ukraine und Russland. Russische AuĂen- und Sicherheitspolitik unter Putin. In: Erich Reiter (Hrsg.): Krisengebiete in Europa, Forschungen zur Sicherheitspolitik, Band 5, Mittler, Hamburg 2001, ISBN 3-8132-0782-X (Online, Bundesministerium fĂŒr Landesverteidigung, Ăsterreich, PDF, 27 S.), S. 133â160.
Weblinks
Commons
: Putinismus
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Alexander Etkind: Gastkommentar zum Putinismus: Eine prĂ€ventive Konterrevolution. Neue ZĂŒrcher Zeitung. 2. April 2014
⹠Richard Herzinger: Feuerkopf Lévy stellt Putinismus an den Pranger. Die Welt. 17. Mai 2014
âą Wladimir Pastuchow: Gastkommentar: Die Blumen des postsowjetischen Bösen â Putins Herrschaft beruht auf den ideologischen Zersetzungsprodukten der wilden neunziger Jahre. Russland braucht einen Exorzismus. Neue ZĂŒrcher Zeitung. 10. April 2022
Einzelnachweise
cite-note-11. â Waleri Fjodorow, Julija Baskakowa et al.: ""ĐŃŃĐžĐœĐžĐ·ĐŒ" ĐșаĐș ŃĐŸŃОалŃĐœŃĐč ŃĐ”ĐœĐŸĐŒĐ”Đœ Đž Đ”ĐłĐŸ ŃаĐșŃŃŃŃ" [= âPutinismusâ als soziales PhĂ€nomen und seine Aspekte]. In: Waleri Fjodorow (Hg.): ĐŃĐ±ĐŸŃŃ ĐœĐ° ŃĐŸĐœĐ” ĐŃŃĐŒĐ°: ŃлДĐșŃĐŸŃалŃĐœŃĐč ŃĐžĐșĐ» 2016-2018 гг. Đž пДŃŃпДĐșŃĐžĐČŃ ĐżĐŸĐ»ĐžŃĐžŃĐ”ŃĐșĐŸĐłĐŸ ŃŃĐ°ĐœĐ·ĐžŃа [= Wahlen vor dem Hintergrund der Krim: Der Wahlzyklus 2016â2018 und Perspektiven des politischen Ăbergangs]. ĐĐŠĐĐĐ, Moskau 2018, ISBN 978-5-04-152324-4, S. 587â602.
cite-note-22. â Andrei Piontkowski: ĐŃŃĐžĐœĐžĐ·ĐŒ ĐșаĐș ĐČŃŃŃĐ°Ń Đž заĐșĐ»ŃŃĐžŃДлŃĐœĐ°Ń ŃŃĐ°ĐŽĐžŃ Đ±Đ°ĐœĐŽĐžŃŃĐșĐŸĐłĐŸ ĐșапОŃĐ°Đ»ĐžĐ·ĐŒĐ° ĐČ Đ ĐŸŃŃОО (= Putinismus als das höchste und letzte Stadium des RĂ€uber-Kapitalismus in Russland). Sowetskaja Rossija, 11. Januar 2000.
cite-note-33. â Michel Eltchaninoff: In Putins Kopf. Logik und WillkĂŒr eines Autokraten. Aktualisierte Neuausgabe, Stuttgart 2022 [2015], S. 13, 81, 124 u. 133.
cite-note-44. â Richard Sakwa: Analyse: Entwickelter Putinismus â Wandel ohne Entwicklung. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 15. Juli 2013, abgerufen am 27. Dezember 2014.
cite-note-55. â Richard Sakwa: Analyse: Entwickelter Putinismus â Wandel ohne Entwicklung. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 15. Juli 2013, abgerufen am 21. Februar 2015.
cite-note-baines-et-al-2019-66. â Paul Baines, Nicholas OâShaughnessy, Nancy Snow (Hrsg.): The SAGE Handbook of Propaganda Verlag SAGE, 2019, ISBN 978-1-5264-8625-7, S. 493.
cite-note-77. â Michel Eltchaninoff: In Putins Kopf. Logik und WillkĂŒr eines Autokraten. Aktualisierte Neuausgabe, Stuttgart 2022 [2015], S. 12 f.
cite-note-99. â Manfred Sapper: Putinismus in Aktion (Memento vom 22. Februar 2015 im Internet Archive). Brockhaus.
cite-note-1010. â Markus Wehner: Putins Kalter Krieg: Wie Russland den Westen vor sich hertreibt. Verlag Knaur eBook, 2016, ISBN 978-3-426-43835-0, Kapitel 5: Russlands Informationskrieg.
cite-note-1111. â The Cicero Foundation. CiceroFoundation.org, abgerufen am 13. MĂ€rz 2022 (englisch).
cite-note-1212. â Van Herpen, 2013, S. 203.
cite-note-1313. â Van Herpen, 2013, S. 7 f.
cite-note-1414. â Julian Hans: Ohne Putin kein Russland. SĂŒddeutsche Zeitung, 16. MĂ€rz 2015, abgerufen am 16. MĂ€rz 2015.
cite-note-1515. â Alan Posener: Putins Tollhaus: kein FĂŒhrerschein fĂŒr Transsexuelle - WELT. Abgerufen am 2. April 2023.
cite-note-sendung-1616. â Urs Gehriger: «Nichts ist hoffnungslos». In: Die Weltwoche. 23. Dezember 2015, abgerufen am 2. April 2023 (deutsch).
cite-note-1717. â deutschlandfunkkultur.de: Putin - Ăber den schnellen Wandel russischer Ideologie. Abgerufen am 2. April 2023.
cite-note-1818. â Anne Applebaum: PUTINISM: THE IDEOLOGY. In: STRATEGIC UPDATE 13.2. London School of Economics, Februar 2013, abgerufen am 29. MĂ€rz 2023.
cite-note-1919. â Kremlkritiker behauptet: Wladimir Putin denkt ĂŒber seinen RĂŒckzug nach. In: Focus Online. 27. MĂ€rz 2017 (focus.de [abgerufen am 21. MĂ€rz 2022]).
cite-note-2020. â Der russische Schizofaschismus, Republik, 13. MĂ€rz 2022
cite-note-2121. â ĐĄĐ°ĐœĐșŃОО ĐœĐ°ĐČŃДгЎа@1@2Vorlage:Toter Link/snob.ru (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2024. Suche in Webarchiven) Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prĂŒfe den Link gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (Sanktionen fĂŒr immer), snob.ru, 30. MĂ€rz 2018 (russisch).
cite-note-2222. â Wladislaw L. Inosemzew: Warum verlor der Westen Russland? â Gewiss gab es strategische Fehler, entscheidend aber war das politische Naturell des KGB-Mannes Wladimir Putin., NZZ, 13. November 2021
cite-note-2323. â Wladislaw Inosemzew: Der Faschismus ist das, was folgt, nachdem sich der Kommunismus als Illusion erwiesen hat â Wladimir Putin ist ein gelehriger SchĂŒler Benito Mussolinis. In: Gastkommentar, nzz.ch. 10. MĂ€rz 2022, abgerufen am 18. April 2022.
cite-note-2424. â "Regime um Putin zunehmend faschistisch", Tagesschau.de, 10. Mai 2022
cite-note-2525. â Szczepan Twardoch: Liebe westeuropĂ€ische Intellektuelle: Ihr habt keine Ahnung von Russland. in NZZ am 6. April 2022
cite-note-2626. â ĐаŃĐžĐ»Ń ĐĐČĐ°ĐœŃŃ, ĐżĐŸĐżŃгаĐč!, Nowaja Gaseta, 25. Dezember 2019
cite-note-2727. â Karl Schlögel im GesprĂ€ch mit Claudia von Salzen: âDer Ruf nach Verhandlungen hat etwas mit völliger Unkenntnis der Lage zu tun.â. Der Osteuropa-Historiker Karl Schlögel ĂŒber die Forderungen deutscher Intellektueller und die Rolle des Westens im Ukraine-Krieg. In Der Tagesspiegel, 11. Januar 2023, S. 16 f.
cite-note-2828. â Ljudmila Alexejewa: Human rights: The rise and fall of Putinism. Welt Online, abgerufen am 21. Dezember 2014.
cite-note-2929. â Marc Bennetts: Russia passes law to jail people for 15 days for âdisrespectingâ government. Law allowing courts to fine or jail offenders is reminiscent of Soviet-era laws used to target dissidents, say critics. The Guardian, 6. MĂ€rz 2019, abgerufen am 7. August 2019 (englisch).
cite-note-3030. â Das Kulturministerium setzte die Diskussion des Projekts zu traditionellen Werten aus, RBK (Medienunternehmen), 14. Februar 2022
cite-note-3131. â Diktatur der "Traditionellen Werte", Lewada-Zentrum, 17. Februar 2022
cite-note-3232. â Die Behörden setzten die Diskussion ĂŒber das Projekt zu traditionellen Werten aus, refrl, 14. Februar 2022
cite-note-3333. â Ulrich Menzel: Wohin treibt die Welt? Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 21. Oktober 2016.
cite-note-3434. â Merkel in ihrer RegierungserklĂ€rung: Russland stellt âRecht des StĂ€rkeren gegen StĂ€rke des Rechtsâ (Memento vom 19. Dezember 2014 im Internet Archive). The Huffington Post, 19. Dezember 2014, abgerufen am 19. Dezember 2014.
cite-note-3535. â Sergey Karaganov: Russia's new foreign policy, the Putin Doctrine. In: Malaysia Sun. Abgerufen am 12. April 2022 (englisch).
cite-note-3636. â The CSS Point: The Putin Doctrine By Angela Stent. In: The CSS Point. 27. Januar 2022, abgerufen am 21. Mai 2022 (amerikanisches Englisch).
cite-note-3737. â Interview mit Margareta Mommsen: "Der neue Putin ist nicht mehr rational". In: Hintergrund aktuell. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 10. MĂ€rz 2022, abgerufen am 29. MĂ€rz 2023.
cite-note-analysen-3838. â âRusskij Mirâ. Literarische Genealogie eines folgenreichen Konzepts. Russland-Analysen Nr. 289, 30. Januar 2015.
cite-note-4040. â Von Fischen und Menschen, dekoder.org, 17. MĂ€rz 2022
cite-note-4141. â Orthodox Christian Unity Broken by âRussian Worldâ Heresy. The Moscow Times, 15. MĂ€rz 2022.
cite-note-4242. â Irina Scherbakowa, Karl Schlögel: Der Russland-Reflex: Einsichten in eine Beziehungskrise. Edition Körber, 2015, ISBN 978-3-89684-492-7.
cite-note-4343. â Die russisch-orthodoxe Kirche beteiligt sich aktiv am Krieg gegen die Ukraine. Regensburg Digital, 4. MĂ€rz 2022.
cite-note-4444. â Agents of the Russian World: Proxy Groups in the Contested Neighbourhood. Chatham House, 14. April 2016.
cite-note-4545. â Walter Laqueur: Putinismus: Wohin treibt Russland? Verlag Ullstein, 2015, ISBN 978-3-8437-1100-5: âDanilewskis Eintreten fĂŒr die Expansion Russlands lag weder eine Art geopolitisches Denken noch irgendeine andere der neumodischen Theorien zugrunde, die er schlicht fĂŒr Unsinn gehalten hĂ€tte. Er glaubte vielmehr an spirituelle Werte und eine welthistorische Mission Russlands. Wie Dostojewski hielt der die Russen fĂŒr das einzige gottesfĂŒrchtige Volk und fĂŒr dasjenige, das die Welt retten wĂŒrde.â
cite-note-4646. â Winfried Schneider-Deters: Die Ukraine: Machtvakuum zwischen Russland und der EuropĂ€ischen Union. BWV Verlag, 2014, ISBN 978-3-8305-2941-5, S. 41.
cite-note-4747. â Andreas Kappeler: Ungleiche BrĂŒder â Russen und Ukrainer vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Beck, MĂŒnchen 2017, ISBN 978-3-406-71410-8, S. 197.
cite-note-4848. â Michel Eltchaninoff: In Putins Kopf: Logik und WillkĂŒr eines Autokraten. Aktualisierte Neuausgabe, Stuttgart 2022 [2015], S. 9 f.
cite-note-4949. â Michel Eltchaninoff: In Putins Kopf: Logik und WillkĂŒr eines Autokraten. Aktualisierte Neuausgabe, Stuttgart 2022 [französische Originalausgabe 2015], S. 75 f., 93 f., 104 f., 109, 133.
cite-note-5151. â Michel Eltchaninoff: In Putins Kopf. Logik und WillkĂŒr eines Autokraten. Aktualisierte Neuausgabe, Stuttgart 2022 [2015], S. 47.
cite-note-5252. â Sascha Buchbinder: Er hatâs erfunden. Zeit Online am 17. MĂ€rz 2022, abgerufen am 21. April 2022.
cite-note-5353. â Michel Eltchaninoff: In Putins Kopf. Logik und WillkĂŒr eines Autokraten. Aktualisierte Neuausgabe, Stuttgart 2022 [2015], S. 57 f.
cite-note-5555. â Robert Misik: Putin verstehen III. Falter am 11. April 2022, abgerufen am 21. April 2022.
cite-note-5656. â Peter Pomerantsev: The hidden author of Putinism. The Atlantic, abgerufen am 19. Dezember 2014.
cite-note-5757. â Robert Misik: Putin verstehen VI. Falter am 19. April 2022, abgerufen am 21. April 2022.
cite-note-5858. â Timothy Snyder: «Ein Nazi ist ein Ukrainer, der sich zuzugeben weigert, dass er Russe ist» â nun gibt es auch eine russische Anleitung zum Völkermord in der Ukraine, NZZ, 12. April 2022
cite-note-5959. â [1]
cite-note-6161. â Demokratie am Ende. Was kommt danach? (Memento vom 5. April 2015 im Internet Archive), Sputnik Deutsch, 3. April 2015
cite-note-6262. â Andreas Umland: Kulturhegemoniale Strategien der russischen extremen Rechten: die Verbindung von faschistischer Ideologie und metapolitischer Taktik im 'Neoeurasismus' des Aleksandr Dugin. In: Ăsterreichische Zeitschrift fĂŒr Politikwissenschaft. Band 33, Nr. 4, 2004, S. 437â453.
cite-note-6363. â John B. Dunlop: Aleksandr Dugin's Foundations of Geopolitics. In: Freeman Spogli Institute for International Studiesand the Stanford Global Studies Division. The Europe Center at Stanford University, abgerufen am 15. Juni 2022.
cite-note-6464. â Andreas Umland: Das eurasische Reich Dugins und Putins. Ăhnlichkeiten und Unterschiede. 2014 (dnb.de [abgerufen am 12. Juni 2022]).
cite-note-6565. â Viktor Funk, Interview mit Felix Riefer: âSowjetisch-imperiale Köpfe haben das Sagenâ im Ukraine-Krieg. In: Frankfurter Rundschau. 27. April 2022, abgerufen am 15. Juni 2022.
cite-note-6666. â Micha Brumlik: Der Philosoph hinter Putin. In: Deutschland Archiv. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 11. MĂ€rz 2022, abgerufen am 12. Juni 2022.
cite-note-6767. â Volker WeiĂ: Putin verstehen.Von Alexander Dugin zu Carl Schmitt: Das sind die Ziele von Russlands Eroberungskrieg. In: SĂŒddeutsche Zeitung. 08.04.2022, abgerufen am 13. Juni 2022.
cite-note-2-6868. â Jason Stanley und Eliyahu Stern: Putin's Fascist Ideology. In: Tablet Magazine. 21. MĂ€rz 2022, abgerufen am 8. Juni 2022.
cite-note-6969. â Leonid Luks: Alexander Dugin: Putins Ideengeber? | Karenina. 11. April 2022, abgerufen am 12. Juni 2022 (deutsch).
cite-note-7070. â Russian Anti-Liberal Philosopher Dugin On Putin's Speech At St. Petersburg International Economic Forum (SPIEF): 'A Spy Is Taught... To Conceal The Truth'. Abgerufen am 25. Juni 2022 (englisch).
cite-note-7272. â Erwin OberlĂ€nder: AutoritĂ€re Regime in Ostmittel- und SĂŒdosteuropa 1919â1944. 2., um ein Nachwort ergĂ€nzte Auflage, Paderborn 2017, S. 689.
cite-note-7474. â Taras Kuzio: How Putinâs Russia embraced fascism while preaching anti-fascism. In: Atlantic Council. 17. April 2022, abgerufen am 7. Juni 2022 (amerikanisches Englisch).
cite-note-7777. â Alexander Motyl: Yes, Putin and Russia are fascist â a political scientist shows how they meet the textbook definition. Abgerufen am 8. Juni 2022 (englisch).
cite-note-7878. â Alexander J. Motyl: Opinion | Putin Isnât Just an Autocrat. Heâs Something Worse. Abgerufen am 8. Juni 2022 (englisch).
cite-note-7979. â Wladislaw Inosemzew: Der Faschismus ist das, was folgt, nachdem sich der Kommunismus als Illusion erwiesen hat Wladimir Putin ist ein gelehriger SchĂŒler Mussolinis. In: Neue ZĂŒrcher Zeitung. 10. MĂ€rz 2022, abgerufen am 8. Juni 2022.
cite-note-8080. â Robert Coalson: Nasty, Repressive, Aggressive - Yes. But Is Russia Fascist? Experts Say âNo.â In: Radio Free Europe, 9. April 2022, abgerufen am 7. Juni 2022.
cite-note-8181. â Michel Eltchaninoff: In Putins Kopf: Logik und WillkĂŒr eines Autokraten. Aktualisierte Neuausgabe, Stuttgart 2022 [2015], S. 51 f.
cite-note-8282. â Michel Eltchaninoff: In Putins Kopf: Logik und WillkĂŒr eines Autokraten. Aktualisierte Neuausgabe, Stuttgart 2022 [2015], S. 203.
cite-note-8383. â Michael Thumann: Ideologisch flexibel. 10. Juni 2022, abgerufen am 12. Juni 2022.
cite-note-8585. â Andreas Buller: Morality and Language of Totalitarianism Moral Basics of Putinism. Zeitdiagnosen 69. LIT Verlag, Berlin 2023, ISBN 978-3-643-91447-7.